Wegen Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums

Das gibt es in keinem Russen-Film“ lautet eine bekannte Redewendung in der DDR. Man nutzte sie, wenn man etwas für besonders ungewöhnlich, absurd oder unglaublich hielt. Sie passt auch für eine aktuelle Meldung: Die Bundesregierung lässt Masken – neudeutsch Mund- und Nasenbedeckungen – im Wert von knapp 800 Millionen Euro verbrennen, weil ihr Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Nein, Sie haben sich nicht verlesen. Der – frühere – Gegenwert von 800 Millionen Euro wird sich buchstäblich in Asche verwandeln.

Wie es dazu kam? „Es handelt sich um Fehl- und Zuvielkäufe vom früheren Gesundheitsminister Jens Spahn“, schreibt die „Welt“ unter Berufung auf einen Bericht im „Spiegel“. Besonders beachtlich ist, wie die Vernichtung auf geradezu Orwellsche Weise schöngeschrieben wird: Die Masken würden, „thermisch verwertet“ werden, teilte das Bundesgesundheitsministerium demnach mit.

Wie bitte? Für wie dumm hält man im Hause Lauterbach die Bürger eigentlich? Thermische Verwertung? Sollen wir dann gleich die Abfalleimer in „Thermische-Verwertungs-Vorbereitungsgefäße“ umbenennen? Und die Mülltonne in „Zwischenlagerstelle für thermische Verwertung?“ Werden wir künftig statt von einer Beerdigung von einer Kompostierung sprechen? Entschuldigen Sie meinen schwarzen Humor. Aber ohne den ist so etwas kaum erträglich. 

Zum Hintergrund der Geschichte erklären „Welt“ bzw. „Spiegel“: „Spahn hatte seit Beginn der Coronapandemie für sechs Milliarden Euro rund 5,8 Milliarden Masken eingekauft – eine ‘massive Überbeschaffung‘, rügte bereits der Bundesrechnungshof. Von jenen Masken, die nun vernichtet werden sollen, seien rund 20 Prozent wegen Qualitätsmängeln nie ausgeliefert worden.“

Zur Erinnerung: In Merkels Großer Koalition gab es massiven Krach um die „minderguten“ Masken – um im Schönfärbe-Stil des Ministeriums zu bleiben. Die SPD warf CDU-Minister Spahn vor, er habe versucht, solche sogenannten CPI-Masken, also Masken zweiter Klasse bzw. Wahl, an Arme und Senioren auszugeben. Es kam dann zu einem Kompromiss. Die Koalitionäre einigten sich darauf, die  CPI-Masken in einer „Nationalen Notreserve“  einzulagern und dort liegen zu lassen, bis sie ihr Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht haben.

Das ist nun der Fall.

800 Millionen Euro Steuergelder werden nun buchstäblich verpulvert – auch wenn man das so wahrscheinlich nicht schreiben darf, ohne den Vorwurf, das sei „Diskreditierung des Staates“. Korrekt muss es heißen, sie werden „thermisch verwertet“. Keiner der Verantwortlichen haftet dafür. Wozu auch, wenn der Steuerzahler die Zeche zahlen muss. Doch darauf zu verweisen, ist sicher böser, böser Populismus. Früher hätte man es noch kritischen Journalismus genannt.

PS: Meine Korrektorin schrieb mir zu diesem Beitrag: „Angesichts der drohenden Energieknappheit sollte man eigentlich auch nicht so wählerisch sein mit dem, was man thermisch verwertet, da kommen die Masken doch gerade recht ;-)“

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Quelle: reitschuster.de

Von admin