Die materialistische Schulmedizin betrachtet den menschlichen Körper prinzipiell als ein System, das ganz in stofflichen Prozessen verlaufe, mit denen Seele und Geist des Menschen – sofern überhaupt existent – unmittelbar nichts zu tun hätten. Materielle Vorgänge aber, die wieder nur aus materiellen Vorgängen hervorgehen, führen zur Vorstellung einer Maschine, die bei  Krankheiten repariert werden muss. Die „Reparatur“ geschieht in der Hauptsache mit chemischen Medikamenten, die aber nicht die Ursachen, sondern nur die Symptome beseitigen. Mit ihren toxischen Stoffen erzeugen diese neue Krankheiten, die wieder mit chemischen Medikamenten behandelt werden usw. – eine sich ständig fortzeugende Kette des Leidens und Sterbens – und des Profits.

Der Radiologe und langjährige Chefarzt Dr. Gerd Reuther macht seit Jahren in Büchern und Vorträgen energisch auf dieses grundsätzliche Problem der modernen Medizin aufmerksam und fordert ein Umdenken bei seinen Kollegen. Doch die vielfachen finanziellen Verflechtungen der Medizin in Forschung, Lehre und Praxis mit der Pharma-Industrie, die von diesem System lukrativ lebt, und der ebenfalls wiederum mit Industrie-Interessen eng verknüpften Politik lassen seine Rufe weitgehend ungehört verhallen.

Dr. Reuther stellt schonungslos fest1, dass nicht weniger als ein Drittel aller Sterbefälle in Deutschland letztlich auf die ärztliche Behandlung zurückzuführen sei. Wer länger Patient sei, dessen individuelles Krankheits- und Sterberisiko steige. Die moderne Medizin habe reichlich Behandlungen im Gepäck, die schaden und töten können. … Die Lotterie für den Patienten heiße: Möglicherweise Chance auf ein längeres Leben im Einzelfall gegen ein allgemein höheres Krankheits- und Sterberisiko durch Behandlungen. 2

Behandlungsbedingte Gesundheitsschäden

Obwohl Ärzte und Krankenhäuser geradezu Hauptursache von Krankheit und Tod seien, fehle unter den 20 häufigsten Krankenhausdiagnosen die des „behandlungsbedingten Gesundheitsschadens“ völlig. Auch in der internationalen Krankheitsklassifizierung gebe es keine Hauptgruppe „behandlungsbedingte Erkrankungen“, da das internationale Schema organ- und nicht ursachenbedingt aufgebaut sei. Dabei gehörten behandlungsbedingte Schädigungen der Gesundheit mit und ohne Todesfolge zum Alltag, seit es Mediziner gibt. An die Stelle des früheren Allheilmittels Aderlass, therapeutischer Quecksilber-Vergiftungen, Operationen ohne ausreichende Sterilität oder Entbindungen mit mangelnder Hygiene seien heute medikamentöse Therapien zur Beeinflussung einer Unzahl von Symptomen und Laborwerten sowie unnötige Operationen getreten.3

„Schon ein halbes Jahrhundert vor Vernon Colemans Bestseller „Wie Sie ihren Arzt davon abhalten, Sie umzubringen“ von 2003 hat der Frankfurter Ordinarius für Innere Medizin Ferdinand Hoff (1896-1988) ´Therapieschäden` als häufigste Krankheit eingestuft. Häufigkeit und Sterblichkeit behandlungsbedingter Krankheiten bleiben aber Gegenstand von Spekulationen, da Fehlerkultur und kritische Selbstreflexion keine Grundtugenden der Ärzteschaft sind. In völliger Verkennung der Tatsachen tönt das Zentralorgan der deutschen Ärzteschaft jedes Jahr aufs Neue, dass ärztliche Fehler weit unter dem Promillebereich lägen. Dieser Behauptung liegen allerdings nur die von den Ärztekammern anerkannten Behandlungsfehler unter den ohnehin schon wenigen dort eingereichten Fällen zugrunde und nicht etwa unabhängige Analysen.“

Auch im vermeintlichen Zeitalter von Evidenzbasierung und CIRS (Critical Incident Reporting System) zur internen Fehlererkennung gehöre es nicht zur ärztlichen Routine, bei dem Krankheitsbild eines Patienten abzuklären, ob in einer laufenden oder vorangegangenen Behandlung maßgebliche Ursachen liegen.
Wer hierzulande einige Tage oder Wochen nach einer Operation zu Hause tot zusammenbreche, gelte als unklarer Todesfall. Dabei könne infolge der Ruhigstellung während und nach einer Operation eine Thrombose (Blutgerinnsel in Blutgefäß oder im Herzen) ausgelöst werden, die in solchen Fällen am häufigsten die Todesursache sei (durch Eintreten einer Embolie, d.h. eines teilweisen oder vollständigen plötzlichen Verschlusses eines Blutgefäßes). Eine Obduktion, die dies aufdecke, führe allerdings oft genug zur Todesursache: „natürlicher Tod ohne Fremdverschulden“.

„Auch zahlreiche Medikamente können Venenthrombosen mit darauf folgenden Lungenembolien auslösen: Hormonpräparate (z.B. Verhütungspillen mit Drospirenonen) bei gesunden jungen Frauen auch ohne Zigarettenkonsum, Chemotherapeutika und Neuroleptika. Als Ursache eine Trombembolie (durch Thrombose hervorgerufene Embolie), die in Deutschland schätzungsweise 40.000 Todesfälle pro Jahr verursacht, gelten gemäß Leitlinien jedoch: höheres Lebensalter, Krebserkrankungen, Hormonveränderungen in der Schwangerschaft und Allgemeinerkrankungen mit Fieber – nicht aber Operationen oder die Einnahme von Medikamenten.“

Eine dänische Studie habe aufgedeckt, dass Neugeborene, die in den ersten beiden Lebenswochen mit Makrolid-Antibiotika behandelt worden oder diesen über die Muttermilch ausgesetzt gewesen seien, 30-fach häufiger von einer Verengung des Magenausgangs (sogenannte infantile hypertrophe Pylonusstrose) betroffen seien. Das Krankheitsbild, das wegen der dadurch kaum möglichen Nahrungsaufnahme bedrohlich werden könne, habe jahrzehntelang als „idiopathisch“ gegolten (ohne bekannte Ursache), weil nicht nach einer medikamentös bedingten Entstehung gefahndet worden sei.
30 Jahre lang habe das Hormonpräparat Duogynon (später Cumorit) verordnet werden können, ohne dass Gynäkologen und Kinderärzte einen hochwahrscheinlichen Zusammenhang mit vorgeburtlichen Missbildungen erkannt hätten.
Obwohl die Politik inzwischen eine angemessene Fehlerkultur in der Ärzteschaft anmahne, sei von einem „nationalen Plan“ für eine systematische Erfassung behandlungsbedingter Erkrankungen keine Rede.

„Trotz ungeteilter Verantwortung der Ärzteschaft für die Vermeidung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) musste die Selbstverständlichkeit und Notwendigkeit eines Medikationsplanes, der alle Verordnungen enthält, gesetzlich erzwungen werden. Wenngleich 40 % der Menschen über 65 Lebensjahren regelmäßig mehr als fünf Medikamente einnehmen (Polypharmazie), ist erst seit Oktober 2016 ein schriftlicher Medikationsplan bei mehr als drei Medikamenten verpflichtend. Auf der elektronischen Gesundheitskarte ist ein Medikationsplan bis auf weiteres nicht abrufbar. Allerdings wäre auch dann eine Einnahme nach Vorgabe eine Ausnahme. Bei der Überprüfung von 500 Patienten nahmen lediglich 6,5 % ihre Medikamente nach Plan ein, es bestanden im Durchschnitt fünf Abweichungen pro Patient.“

Wenn jeder behandelnde Arzt einfach neue Verordnungen auf dem Plan ergänze und kein Hauptverantwortlicher Sinn, Dosierung, Einnahmedauer und auch mögliche Wechselwirkungen der verschiedenen Medikamente immer wieder überprüfe, verhüte ein Medikationsplan keine unerwünschten Arzneimittelwirkungen. Man dürfe überhaupt keine Polypharmazie verordnen, wenn es schon ab drei Präparaten keine Studien mehr gebe, die Aussagen über Wechselwirkungen enthielten. Hätten am Ende böse Zungen Recht, wonach „Kollateralschäden“ durch Medikamente eine geplante Einnahmequelle unseres Medizinsystems seien? – Insbesondere für die Pharmaindustrie, muss man hinzufügen, mit deren Profitinteressen die Ärzteschaft in großem Ausmaß verflochten ist. – Polypharmazie sei jedenfalls, so Dr. Reuther, der beste Schutz vor der Enttarnung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen.

„Von 400.000 Todesfällen in deutschen Krankenhäusern (im Jahr) sind nach qualifizierten internationalen Studien mindestens die Hälfte auf medizinische Maßnahmen zurückzuführen.“ Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene gehe allein von 30.000 Toten pro Jahr durch Krankenhausinfektionen aus. 18 % der Todesfälle im Krankenhaus seien direkt oder indirekt durch Arzneimittelwirkungen hervorgerufen; das seien weitere 60.000 bis 70.000 Tote, wobei Todesfälle durch medizinische Eingriffe und andere Medizinprodukte noch gar nicht berücksichtigt seien. Aus der Hochrechnung einer Studie mehrerer Kliniken über Medikationsfehler auf Intensivstationen ergebe sich sogar, dass fast jeder 100. Patient einen permanenten Schaden erleide oder zu Tode komme. Schon bei acht Millionen Operationen in Deutschland gäbe es bei der ermittelten 30-Tage-Sterblichkeit von 2,5 % für Deutschland (Rang 8 im europäischen Vergleich) jährlich allein 200.000 Todesfälle.

Weitere 50.000 iatrogene (durch ärztliche Einwirkungen entstandene) Todesfälle außerhalb von Krankenhäusern seien bei mehr als 700 Millionen Behandlungen pro Jahr in Deutschland eine realistische Minimalabschätzung für die ambulante Medizin.

„Insgesamt sind nicht weniger als ein Drittel aller Sterbefälle in Deutschland als behandlungsbedingt anzunehmen.

Die Bundesärztekammer weist allerdings für 2018 nur 1.858 Behandlungsfehler mit 88 Toten aus. 2015 haben Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen 2.132 Behandlungsfehler anerkannt, und der Medizinische Dienst der Krankenkassen hat etwa 4.000 Behandlungsfehler dokumentiert, davon circa 150 mit Todesfolge. Die Zahlen sind – wenngleich viermal so hoch wie 2007 – eindeutig realitätsfern.“

Es ginge auch anders …

Mit Ausnahme der Deutschen Klinik für Diagnostik in Wiesbaden und später des Zentrums für unerkannte und seltene Erkrankungen an der Universitätsklinik Marburg habe es über viele Jahre in Deutschland keine institutionalisierten, nicht spezialisierten Ansprechpartner für unklare Krankheitszustände gegeben. Seit einiger Zeit hätten weitere Universitätskliniken nachgerüstet. Doch seien an allen großen Kliniken Zentren für unklare Krankheitsbilder zur möglichst schnellen und korrekten Diagnoseklärung überfällig.

Aus den Marburger Erfahrungen könne man den Schluss ziehen, dass ein Drittel der dort diagnostizierten Krankheiten auch anderswo hätten erkannt werden müssen, ein weiteres Drittel dürfe als wirklich schwierig gelten und ein Drittel der Fälle bleibe wahrscheinlich mangels organischer Ursache ungeklärt. Die in Marburg publizierten Fälle belegten auch, dass chronisch eingenommene toxische Medikamente einen höheren Stellenwert hätten, als in offiziellen Krankheitsstatistiken bescheinigt werde. Während dort toxische Einwirkungen bestenfalls im Promillebereich auftauchten, seien bei 3 von 12 der publizierten Fälle (also 25 %) aus dem Marburger Zentrum toxische Einwirkungen festgestellt worden, die vorher unerkannt geblieben seien.
Man erkennt nur, was man kennt. Ermittelt wird lieber in andere Richtungen und so, dass die Interessen einflussreicher Lobbygruppen möglichst nicht gestört werden.“ 4

Doch noch viel wichtiger wäre es, die grundlegende materialistische Ideologie und das daraus folgende stupide maschinelle Menschenbild der Schulmedizin auf den Prüfstand zu stellen, das erst zur Anwendung chemischer Medikamente mit vielfach toxischen Stoffen führt, die prinzipiell nicht heilen, sondern schaden. In der Maschinen-Ideologie vom Menschen, also dem grundsätzlichen schwachsinnigen Ansatz der rein naturwissenschaftlich-materialistischen Medizin, liegt der eigentliche Wahnsinn.

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Artikel auch zum Hören –
Sprecher: Nikolas Gerdell:

By Rumi