dpa/Lukas Schulze

Das Wichtigste

  • Der Mieterbund-Präsident sagt eine Kostenexplosion für Mieter voraus.
  • Vermieter könnten im Zuge von Pflicht-Modernisierungen Mehrkosten auf die Miete umlegen.
  • In einer Beispielrechnung steigt die Miete demzufolge um 200 Euro pro Monat.
  • Doch es gibt auch Ausnahmen.

Mieterbund-Präsident Lukas Siebenkotten schlägt Alarm: Er sieht im Zuge von Pflicht-Modernisierungen hohe Kosten auf die Mieter zukommen. Die Kosten teurer Sanierungen würden „im Ergebnis komplett bei den Mietern landen”, sagte er „Bild“ . „Ihnen kann nicht zugemutet werden, was da ansteht. Mehrkosten von 200 Euro sind möglich.“ Gegenüber der Zeitung rechnet der Experte vor:

  • 30.000 Euro Sanierungskosten für eine 80-Quadratmeter-Wohnung.
  • Acht Prozent (2400 Euro) dürfen über die Miete weitergegeben werden.
  • 2400 Euro auf ein Jahr gerechnet sind 200 Euro Miete im Monat oben drauf.

Ein anderes Beispiel der Stiftung Warentest:

  • 100.000 Euro Sanierungskosten für ein 1000 Quadratmeter großes Gebäude mit insgesamt zehn Wohnungen.
  • Acht Prozent (8000 Euro) dürfen über die Miete weitergegeben werden.
  • Pro Quadratmeter erhöht sich die Miete also um acht Euro.
  • In einer 100-Quadratmeter-Wohnung in dem Gebäude fallen also 800 Euro Miete extra an pro Jahr – macht knapp 67 Euro pro Monat .

Vermieter können Sanierungskosten an Mieter weitergeben

In der vergangenen Woche votierte das Europaparlament für strengere Anforderungen in puncto Energieeffizienz. So sollen Gebäude analog zu beispielsweise Küchengeräten bestimmte Energieeffizienzklassen erreichen.

Im Kern zielt der Vorschlag der Kommission darauf ab, den EU-Gebäudesektor ebenfalls auf Linie der Klimaneutralität zu bringen. Bis 2050 sollen sämtliche Gebäude emissionsfrei sein, hat die Kommission als Ziel formuliert. Für Neubauten soll daher gelten: Neue öffentliche Gebäude müssen ab 2027 und alle weiteren (privaten) Neubauten ab 2030 sogenannte Nullemissionsgebäude sein.

Laut Paragraph 559 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) können Vermieter zwar tatsächlich die jährliche Miete um acht Prozent „der für die Wohnung aufgewendeten Kosten“ erhöhen. Folglich kommen hohe Kosten auf Hauseigentümer zu, aber auch Mieter sind betroffen.

Kappungsgrenze beschränkt die Mehrkosten für Mieter

Aber: Aus dem BGB geht außerdem hervor, dass die so genannte Kappungsgrenze bei drei Euro pro Quadratmeter innerhalb von sechs Jahren liegt. Sind die Kosten für Modernisierungen höher, dürfen diese nicht auf den Mieter umgelegt werden. Betrug die Miete weniger als sieben Euro pro Quadratmeter, liegt die Kappungsgrenze sogar bei nur zwei Euro.

Zudem gibt es zahlreiche Vorschriften, die Vermieter bei Modernisierungen berücksichtigen müssen. Während Investitionen zur besseren Bewohnbarkeit des Häuser (Steigerung der Energieeffizienz oder Reduktion des Wasserverbrauchs) zulässig sind, gilt dies nicht für Luxussanierungen. Zudem müssen die Mieter spätestens drei Monate vor Beginn über die Bauarbeiten informiert werden – und über die voraussichtliche Erhöhung der Miete.

phs

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